
20 Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe hatten es sich im Rahmen der Projekt-Seminare zur beruflichen Orientierung zu Beginn des Schuljahres zum Ziel gesetzt, Shakespeare auf die Bühne zu bringen. Dreizehn davon hatten sich für die Gestaltung des Bühnenbildes gemeldet, nur sieben davon hatten sich dafür entschieden, Theaterluft zu schnuppern. Ab dem Halbjahr musste die Theatergruppe dann ohne den einzigen männlichen Schauspieler auskommen – er blieb dem Projekt jedoch treu und unterstützte es bis zum Schluss engagiert hinter den Kulissen.
Zum ersten Mal arbeiteten somit zwei P-Seminare zusammen: das P-Seminar Kunst unter Leitung von Theresia Seitz und das P-Seminar Englisch unter Leitung von Christina Falter. Gemeinsam wählte die Gruppe die Tragödie Romeo und Julia aus, um zeitlose und zutiefst menschliche Themen wie Liebe, Freundschaft, Hass, Gewalt oder den Generationenkonflikt in Szene zu setzen. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht die Liebe zwischen den Kindern zweier verfeindeter Familien. Leider erfüllt sich am Ende die Hoffnung von Bruder Lorenzo, „(...) dass dieser Bund zu großem Glück sich wendet, und euer Häuser Groll durch ihn in Freundschaft endet‘, nicht. Stattdessen nimmt das Schicksal- ausgelöst durch einen Brief, der seinen Empfänger nicht erreicht -seinen unaufhaltsamen Lauf...
Da es zeitlich unmöglich war, das ganze Stück zu zeigen, entschied man sich für die Inszenierung einzelner Szenen, deren Handlung durch die Ausführungen einer Erzählerin und durch Standbilder verknüpft wurde. Es sollten einige Szenen auf Englisch und einige auf Deutsch gezeigt werden. Bis Weihnachten trafen sich beide Seminare in gemeinsamen Sitzungen. Vier Gruppen, jede davon zusammengesetzt aus Mitgliedern beider Seminare, wählten jeweils ein oder zwei Szenen zur Bearbeitung. Sodann machte sich jede Gruppe daran, ihre Vorstellungen vom Text und vom passenden Bühnenbild in groben Zügen aufeinander abzustimmen. Nach Weihnachten arbeiteten die Seminare, abgesehen von kurzen Absprachen, getrennt voneinander, um sich dann in den letzten zwei Wochen gemeinsam – begleitet vom Know-How des Technikteams - an die Probenarbeit auf der Bühne zu machen. Vor Beginn der Proben musste man sich jedoch zuerst auf die Suche nach weiteren Schauspielern machen, da eine Inszenierung des Stückes mit sechs Schauspielerinnen kaum möglich war. Glücklicherweise waren einige Mitglieder des Kunstseminares bereit dazu, kleinere Rollen zu übernehmen. Auch in den parallel stattfinden Seminaren Religion und Biologie fanden sich Mitstreiter, die sich über ihr eigenes Seminar hinaus engagieren wollten, unter anderem auch für die musikalische Gestaltung einiger Szenen. Zudem erklärten sich Schüler aus der 12. Klasse und ein Lehrer dazu bereit, das Projekt zu unterstützen und Rollen zu übernehmen. Insgesamt standen 17 Schauspieler auf der Bühne, die 20 Rollen darstellten.
Die Teilnehmerinnen des P-Seminars Englisch durchliefen zahlreiche Phasen einer Theaterproduktion: die Auseinandersetzung mit dem historischen und kulturellen Kontext der Shakespeare-Zeit (insbesondere mit Politik, Religion, Weltbild sowie dem elisabethanischen Theater) in Form von Referaten, die Auswahl eines Stückes bzw. einzelner Szenen, die Konzeption und Bearbeitung eines Theatermanuskripts, die Rollenverteilung, das Einstudieren und Arbeiten an einer Rolle, die Proben- und Regiearbeit, die Kostümauswahl, die Planung von Licht- und Toneffekten, die Entwicklung von Vorschlägen für Bühnenbilder, das Design von Einladungen und Postern. Auch die Sponsoren-Akquise lernten die Seminarteilnehmerinnen kennen. Mit großzügiger Unterstützung der Sponsoren – der Fima Linde GmbH Tacherting, der BASF Trostberg, der Fahrschule Gorzel, der Schlossbrauerei Stein, des Traunmed Sport- und Rehazentrums sowie des Autohauses Schlögl - konnten Materialien, Kostüme und Workshops finanziert werden. Schließlich war dank der Sponsoren während der letzten Proben auch für Erfrischungen gesorgt.
Das P-Seminar Kunst war in mehrere Phasen der Theaterproduktion eingebunden, konzentrierte sich jedoch insbesondere auf die Gestaltung der Kulissen für Szenen auf den Straßen Veronas und in Julias Zimmer. Auch mussten umsetzbare Lösungen für die Balkonszene und die Gruft, in der Julia aufgebahrt wurde, gefunden werden. Ebenso war der Entwurf eines Inspizienzbuches nötig, in dem alle Abläufe während der Vorstellung, z.B. Umbauten sowie Auf- und Abgänge, festgehalten wurden.
In Kooperation mit dem externen Partner, dem Salzburger Landestheater, lernten die Seminare bei einer Führung den professionellen Theaterbetrieb mit Maskenbildnerei, Unterbühne, Schnürboden und Kostümabteilung kennen. Sie bekamen außerdem einen Einblick in verschiedene Berufe am Theater. In zwei Workshops mit der Theaterpädagogin Christiane Silberhumer erhielt die Gruppe eine praktische Einführung in Schauspielgrundlagen und den Bühnenkampf. Ergänzend führten die Theaterspielerinnen selbstständig Theaterübungen durch, mit denen sie sich gezielt auf das Spiel auf der Bühne vorbereiteten.
Die gemeinsame Erarbeitung von Szenen aus „Romeo und Julia“ stellte hohe Anforderungen an Problemlösefähigkeit, Organisation, Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit. Ebenso war ein hohes Maß an Kreativität und Flexibilität nötig. Nur durch das Zusammenspiel dieser Kompetenzen gelang es, die Szenen wirkungsvoll auf die Bühne zu bringen.
Dabei verlangte die Arbeit in einer so großen Gruppe viel Abstimmung – Rücksichtnahme, Kompromisse, sich durchsetzen und sich zurücknehmen –, ohne dabei das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren. Alle Beteiligten durchlebten dabei Höhen und Tiefen: Momente des Unmuts und scheinbare Sackgassen, aber auch kreative Impulse und neu entdeckte Wege. Am Ende wurde all das belohnt durch das erhebende Gefühl, gemeinsam auf der Bühne zu stehen, als Team eine Geschichte erzählt und das Publikum berührt zu haben.
StDin Christina Falter