Tag 1 (Montag): Anreise

Um 8:45 Uhr stiegen wir alle gesund und munter in unseren Zug nach Salzburg. Nach kurzem Zugchaos – unser eigentlicher Zug nach Wien hatte über 45 Minuten Verspätung – konnten wir in einen anderen Zug nach Wien steigen. Die Zugfahrt war sehr lustig, denn wir spielten fast durchgehend gemeinsam verschiedene Gesellschaftsspiele. Jeder war noch voller Energie. Nachdem wir in Wien angekommen waren, konnten wir mit ein bisschen Freizeit durch den Wiener Bahnhof zu unserem nächsten Zug schlendern. Die Vorfreude auf Ungarn und auf unsere Partnerschülerinnen und -schüler, die wir von gemeinsamen online-Vortreffen kannten, wuchs mit der zurückgelegten Strecke. Von Wien bis Budapest ging es gemütlich voran, einige von uns schliefen, andere spielten weiter eifrig Gesellschaftsspiele. 

Um ca. 17:00 Uhr erreichten wir Budapest und stellten fest, dass es eigentlich so aussah wie in Deutschland. Am Bahnhof wurden wir netterweise vom ungarischen Lehrer Gergő empfangen und stellten erstaunt fest, dass man in Ungarn Lehrkräfte mit dem Vornamen anspricht!

Kurz nach unserer Ankunft in Budapest nahmen wir in den Zug nach Velence zu unserer Unterkunft, die in Gardony am Velencer See lag. Nach 40 Minuten Fahrt und 2 Minuten Fußweg erreichten wir unser Selbstversorgerhaus, das wir nur ganz schnell bezogen, um direkt zum gemeinsamen Abendessen aufzubrechen. Den Rest des Abends verbrachten wir alle gemeinsam entweder mit den im Haus vorhandenen Beschäftigungsmöglichkeiten wie Tischtennis oder Kicker sowie mit Kartenspielen, Ausruhen und Quatschen.

Lisa Kollmannsberger (10b), Diana Schmitberger (10c)

Tag 2 (Dienstag): Unsere Partnerschule in Velence und ein Ausflug in eine Stadt mit deutsch-ungarischer Geschichte

Nach dem Frühstück machten wir uns auf zum Bahnhof von Gardony, um die dreiminütige Fahrt zu unserer Partnerschule in Velence anzutreten. Am Bahnhof in Velence trafen wir zum ersten Mal einige der ungarischen Schülerinnen und Schüler persönlich, die uns fröhlich zuwinkten. Zum Glück standen wir bereits im Vorfeld über Online-Calls und soziale Plattformen miteinander in Kontakt, sodass wir beim ersten Treffen herzlich mit einer Umarmung begrüßt wurden. Dadurch fiel es uns deutlich leichter, miteinander ins Gespräch zu kommen und eine angenehme Atmosphäre entstand.

Auch die Schule unterschied sich in einigen Punkten stark von unserer. Besonders auffällig war, dass sich die Grundschule im selben Gebäude befand, was für uns eher ungewöhnlich ist. In kleineren Gruppen setzten wir uns anschließend intensiver mit dem Thema Demokratie auseinander. Dabei beschäftigten wir uns mit Fragen wie: Was macht einen toleranten Menschen aus? Durch welche Werte werden wir vor einer Autokratie geschützt? Diese Diskussionen gaben uns neue Denkanstöße und unterschiedliche Perspektiven.

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Zug nach Stuhlweißenburg, wo uns Tamás, der zweite ungarische Lehrer, durch seine Stadt führte. Dabei erfuhren wir viel über den bedeutenden König Matthias Corvinus, der mit seiner „Schwarzen Armee“ eine der stärksten Verteidigungen seiner Zeit aufgebaut hatte. Besonders interessant waren auch die vielen Statuen in der Stadt, darunter die Figur einer alten Frau, deren Nase – so sagt man – beim Berühren Glück bringen soll. Außerdem erfuhren wir, dass Stuhlweißenburg die ungarische Krönungsstadt der Könige war und bis heute auch diesen deutschen Namen trägt. Die Geschichte Deutschlands und Ungarns ist eng miteinander verwoben. 

Nach der Führung hatten wir Freizeit, die wir gemeinsam mit den ungarischen Schülerinnen und Schülern genießen konnten. Wir gingen zusammen essen, bummelten durch die Stadt und lernten dabei sowohl uns als auch die Stadt noch besser kennen.

Insgesamt war der Tag sehr abwechslungsreich und bereichernd. Wir konnten nicht nur neue Eindrücke über das Thema Demokratie gewinnen, sondern auch die ungarische Kultur und unsere Austauschpartner besser kennenlernen, was den Tag zu einem gelungenen und unvergesslichen Erlebnis machte.

Leon Rieß (10b), Fabian Hilbert (10b), Athanasios Stathis (10c)

Tag 3 (Mittwoch): Arbeit am Projekt und Ausflug in die Therme

Am Mittwoch besuchten wir vormittags die Schule in Velence. Da unser Projektthema „Demokratie“ ist, führten wir dort eine praktische Aufgabe durch: In Gruppen sollten wir Brücken mit einem festgelegten Budget, für das wir bestimmte Materialien erwerben konnten, bauen. Die Besonderheit bestand darin, dass jede Gruppe nach einem bestimmten demokratischen Prinzip arbeiten musste, beispielsweise als direkte Demokratie oder als repräsentative Demokratie. Die Zusammenarbeit verlief sehr gut, und alle Gruppen konnten funktionierende Brücken konstruieren. 

Das Mittagessen fand in der Schule statt. Anschließend gab es ein kurzes, gemeinsames Volleyballmatch und dann ging es in die Therme von Velence, in die wir von unseren ungarischen Partnerinnen und Partnern eingeladen wurden. Im Bad gab es warme Innen- und Außenbecken; die Atmosphäre war angenehm ruhig und geprägt von den vielen Einheimischen, die die Therme regelmäßig besuchen. Dadurch wirkte der Aufenthalt überhaupt nicht touristisch, sondern entspannt. In der Anlage konnten wir uns in dieser ungezwungenen Umgebung besser kennenlernen und als Gruppe weiter zusammenwachsen. Auf dem Rückweg legten wir noch einen kurzen Halt an einem kleinen Kiosk ein, um Snacks für den Abend zu besorgen. Anschließend ging es mit dem Zug zurück zu unserer Unterkunft.

Am Abend haben wir uns alle gemeinsam, d.h. alle deutschen Schülerinnen und Schüler und alle ungarischen, in unserem Selbstversorgerhaus getroffen, um dort gemeinsam zu kochen.  Während die einen immer wieder die Küche aufräumten, schälten andere Kartoffeln, würfelten Zwiebeln, hackten Paprika und Würstchen. Alle Zutaten wurden dann in einen Kessel gegeben, der über dem vorher entzündeten Lagerfeuer hing. Dort hat Tamás zwei Stunden lang geduldig das Abendessen umgerührt. Um die Wartezeit zu verkürzen, spielten wir gemeinsam z.B. Tischtennis und vertieften damit unsere Freundschaften. Als dann das Essen fertig war, haben sich alle gemeinsam um das Feuer gesetzt und das Gericht namens Paprikás gemeinsam genossen.
Nach dem Essen wurde in verschiedenen Sprachen noch viel weitergeredet: auf Deutsch, Ungarisch und vor allem Englisch. Etwas später am Abend sind dann die ungarischen Schülerinnen und Schüler nach Hause gefahren und wir konnten mit einem erfüllten Gefühl ins Bett gehen.

Rita Danieli (10a), Alexandra Seel (10a), Rosalee Willits (10c)

Tag 4 (Donnerstag): Mehr als Bowling in Budapest

Am Donnerstag erwartete uns das Highlight unseres Austauschs: der Ausflug nach Budapest. Früh am Morgen machten wir uns, ausgestattet mit unseren Rucksäcken, gemeinsam mit unseren ungarischen Mitschülerinnen und Mitschülern im Zug auf den Weg.

Im Rahmen einer fünfstündigen Stadtführung durch die beiden Stadtteile Buda und Pest, welche durch die Donau getrennt sind, besichtigten wir zahlreiche bedeutende Sehenswürdigkeiten. Besonders eindrücklich war das ungarische Parlament, ein imposantes Gebäude mit 96 Spitzen und insgesamt 96 Metern Höhe. 

Nachdenklich stimmte uns auch das Holocaust-Mahnmal, welches aus verschiedenen Schuhen am Donauufer besteht. Gegen Ende des Weltkriegs wurden dort, unweit des Parlaments, tausende Juden erschossen und ihre Leichen in die Donau geworfen. Kontrovers ist das Mahnmal zur deutschen Besatzung Ungarns im Zweiten Weltkrieg. 

Sehr eindrücklich waren auch die St.-Stephans-Basilika sowie die Matthiaskirche – vielleicht aber auch, weil in letzterer „Sissi“ zur Königin gekrönt worden war. Ein besonderes Highlight war der beeindruckende Ausblick von der Fischerbastei. Von dort hat man einen großartigen Blick auf die andere Donauseite mit dem Parlamentsgebäude. Auch die vielfältige Architektur der Hauptstadt hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck. 

Trotz der Länge der Führung erwies sie sich als äußerst interessant und lehrreich. Unsere Pausen verbrachten wir zusammen mit den ungarischen Schülerinnen und Schülern beim Bummeln in der Stadt.

Am späteren Nachmittag gingen wir gemeinsam mit den ungarischen Schülern zum Bowling. Ob in Teams oder im direkten Duell – wir traten gegeneinander an, freuten uns über gelungene Würfe und hatten dabei viel Spaß.

Noah Vogt (10b), Samuel Bernauer (10b)

Tag 5 (Freitag): Time to say goodbye – oder eher: see you soon!

Der Freitag unseres Erasmus-Projekts in Ungarn begann alles andere als gewöhnlich: statt früh zu Bett zu gehen, hatten viele von uns die Abend- und Teile der Nachtstunden miteinander mit Gesellschaftsspielen und Gesprächen verbracht. Am Velencer See beobachteten einige von uns den Sonnenaufgang und spielten noch vor dem Frühstück eine letzte Runde Tischtennis. Zum Frühstück gab es ein gemeinsames Resteessen, beispielsweise Gulasch und Nutella (natürlich nicht gleichzeitig!), in unserem Selbstversorgerhaus. Daraufhin machten wir uns auf den Weg zur Partnerschule und verabschiedeten uns dort von unseren neu gewonnen Freundinnen und Freunden, auf deren Besuch in Traunreut wir uns jetzt schon freuen. Nach der Ehrung und einem Abschied mit Tränen in den Augen fuhren wir nach Budapest, wo wir eine große Markthalle besuchten, um uns mit Reiseproviant und Souvenirs auszurüsten. Um 15 Uhr starteten wir unsere Reise nach Hause mit dem Zug von Budapest über Wien nach Salzburg, wobei wir unseren Anschlusszug in Wien nur knapp erwischten. Gegen halb neun abends kamen wir schließlich müde und um viele Erlebnisse reicher in Traunstein an.  

Vielen lieben Dank an Herrn Specht und Frau Schilberger für diese unvergessliche Reise! 

Veronika Krätschmer (10c), Bernadette Wolfertstetter (10c), Louisa Franek (10c)

Gesamtredaktion: StR V. Specht, OstRin C. Schilberger