
24 Schülerinnen und Schüler des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums Traunreut blicken auf eine Woche mit vielen spannenden Erfahrungen und kulturellen Eindrücken zurück: Vom 14. bis 21. März 2026 besuchten die Jugendlichen ihre französische Partnerschule, das Collège Ferdinand Buisson in Thiaucourt (Region Grand Est). Ermöglicht wurde dies durch eine Förderung aus Mitteln des Deutsch-Französischen Jugendwerks sowie einen Zuschuss des Elternbeirats. Bei der Ankunft in Thiaucourt am Samstagabend wurden die deutschen Austauschpartnerinnen und -partner sehr herzlich von ihren Gastfamilien und dem Schulleiter M. Valognes sowie den beiden Lehrerinnen Mme Le Bourdiec und Mme Catelin empfangen. Den Sonntag verbrachten die Jugendlichen mit ihren Gastfamilien. Ob ein Ausflug in die Umgebung, Lasertag oder Bowling – alle erlebten den französischen Alltag hautnah.
Der Montag stand ganz im Zeichen der Geschichte: In Verdun, einem der blutigsten Schauplätze des Ersten Weltkriegs, erhielten die Schülerinnen und Schüler einen bewegenden Einblick in ein schmerzhaftes Kapitel der deutsch-französischen Vergangenheit. Zu Beginn ging es zum Soldatenfriedhof und dem Beinhaus (Ossuaire) von Douaumont. An diesem Ort reichten sich der französische Staatspräsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl am 22. September 1984 die Hand, verbunden mit den Worten: „Europa ist unsere gemeinsame kulturelle Heimat (…). Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden.“ Als drei deutsche Schüler zusammen mit ihren französischen Austauschpartnern Kerzen an einem Soldatengrab anzündeten, wurde spürbar: Frieden und Verständigung müssen immer wieder neu errungen werden. Solche Momente zeigen, wie Schüleraustausch Verantwortung fördert und Brücken zwischen Menschen baut.
In der Zitadelle von Verdun, einem außergewöhnlichen Museum, schlüpften die Jugendlichen per Augmented-Reality-Helm in die Haut eines französischen Soldaten in den Schützengräben. Während einer Fahrt durch den Stollen lernten sie mehr über das Leben in der unterirdischen Festung. Auf dem Rückweg nach Thiaucourt besuchte die Gruppe zudem das Dorf Remenauville, das im ersten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut worden ist.
Am Dienstag drehte sich zunächst alles um süße Traditionen: In der Boîte à Madeleines in Commercy erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die Entstehung der berühmten Madeleines, eines kleinen Gebäcks in Form einer Muschel. Der Legende nach wurden sie 1755 in der Schlossküche von Herzog Stanislas Leszczyński zubereitet. Auch Marcel Proust verewigte sie literarisch in seinem Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ („A la recherche du temps perdu“). Eine Kostprobe rundete den Vormittag kulinarisch ab.
Weiter ging es in die schöne Stadt Nancy mit ihren imposanten Jugendstilfassaden. Bei einer informativen Fotorallye mit den französischen Partnerinnen und Partnern erkundeten die deutschen Schülerinnen und Schüler den historischen Stadtkern. Vor berühmten Sehenswürdigkeiten wie dem Place Stanislas oder dem Parc de la Pépinière entstanden zahlreiche deutsch-französische Selfies unter strahlend blauem Himmel.
Am Mittwoch nahm die deutsche Gruppe erstmals am Unterricht eines französischen Collège, einer vierjährigen Gesamtschule, teil – eine spannende Gelegenheit, Unterschiede zum Schulalltag in Traunreut kennenzulernen. So dauert eine Unterrichtsstunde 55 Minuten, die Klassenräume werden je nach Fach gewechselt und die Pausenaufsicht übernehmen surveillants. Da am Mittwochnachmittag kein Unterricht stattfindet, konnten die verbleibenden Stunden frei gestaltet werden.
Der Donnerstag führte zunächst nach Scy-Chazelles in das Maison de Robert Schuman, das Wohnhaus eines Gründervaters der Europäischen Union. Dort lernten die Jugendlichen den bescheidenen und mutigen Politiker auch von seiner persönlichen Seite kennen.
Anschließend ging es nach Metz, die Stadt an der Mosel mit römischer Vergangenheit. Auf einem kleinen Spaziergang zum nächsten Programmpunkt stellte Mme Le Bourdiec besondere Sehenswürdigkeiten vor: die Porte des Allemands, eine mittelalterliche Toranlage der Stadtmauer, die gotische Kathedrale Saint-Étienne und den Marché Couvert, eine überdachte Markthalle mit frischen lokalen Spezialitäten für Feinschmecker. Zur Mittagszeit blieb Gelegenheit für einen Bummel durch das moderne Einkaufszentrum Muse.
Eine einzigartige Erfahrung war der Besuch des Centre Pompidou-Metz, eines Museums für zeitgenössische Kunst. Die Ausstellung Dimanche sans fin von Maurizio Cattelan regte dazu an, Widersprüchlichkeiten der menschlichen Existenz neu zu betrachten. Für besonderes Staunen sorgte die ikonische, mit Klebeband an die Wand fixierte Banane, die jüngst für 6,2 Millionen Dollar versteigert wurde.
Am letzten vollen Tag erlebten die Traunreuter Schülerinnen und Schüler einen kompletten französischen Schultag – mit Unterricht bis 16:30 Uhr. Auch eine Sportstunde mit Tischtennisturnier in gemischten Teams stand auf dem Programm. Am Abend gab es eine gemeinsame Abschiedsfeier mit regionalen Spezialitäten in der neuen Jurte des Collège. Es wurde viel getanzt, gelacht und gegessen – ein stimmungsvoller Abschluss dieser intensiven Woche.
Der Abschied fiel allen schwer und es flossen sogar Tränen. Auf dieser Reise haben die Jugendlichen nicht nur ihr Französisch verbessert, sondern neue Eindrücke gewonnen und wertvolle Freundschaften geschlossen. Besonders in den aktuellen unruhigen Zeiten zeigt sich, wie wichtig gemeinsames europäisches Miteinander ist. Vive l’amitié franco-allemande!An dieser Stelle möchte sich das Lehrerteam, Christina Spichtinger und Franziska Thome, auch ganz herzlich bei Christina Falter bedanken, die diesen Austausch hervorragend mitorganisiert und von Traunreut aus umsichtig unterstützt hat. Merci beaucoup!
StRin C. Spichtinger