
Ein bisschen sah es gestern am Johannes-Heidenhain-Gymnasium (JHG) so aus, als hätte jemand Monopoly, Klassenfahrt und eine große Baustelle in einen Topf geworfen – und dann sehr früh am Morgen kräftig umgerührt. Der Grund dafür war allerdings kein pädagogisches Experiment, sondern der Abistreich der 53 Abiturienten. Und die hatten für ihren großen Auftritt nicht erst in letzter Minute begonnen: Schon am Vorabend wurde bis 22 Uhr an der Schule präpariert, geklebt, geplant und dekoriert. Am Dienstagmorgen ging es dann ab 6 Uhr weiter.
Das Ergebnis war kaum zu übersehen. Gänge wurden mit Absperrbändern und Stühlen verbarrikadiert, Türen verklebt und der normale Schulbetrieb zumindest optisch in eine Art Hindernisparcours verwandelt. Auch Schulleiter Matthias Schmid blieb vom Einfallsreichtum seines Abschlussjahrgangs nicht verschont: Er wurde kurzerhand in den Urlaub geschickt – wenn auch eher symbolisch.
Das Motto des diesjährigen Abistreichs lautete „Abinopoly – Die Lehrer würfeln, wir verlieren!“ Damit war die Richtung klar: Alles stand im Zeichen des legendären Gesellschaftsspiels Monopoly, nur eben in einer Version, die vermutlich nie eine offizielle Hasbro-Freigabe bekommen hätte. In der Aula versammelten sich die Schüler zu einer großen Spielrunde, bei der traditionell Schüler gegen Lehrer antraten. Gespielt wurde auf einem riesigen Brett, das liebevoll an Traunreut angepasst war. Statt Schlossallee oder Badstraße gab es Felder mit lokalen Namen wie Kantstraße, Rathausplatz oder Paps-Döner.
Die Regeln waren deutlich schülerfreundlicher – oder anders gesagt: Die Lehrkräfte mussten sich warm anziehen. Zu den Aufgaben gehörten unter anderem ein Leberkas-Wettessen und Flaggenraten. Letzteres hatte es besonders in sich. Während die Schüler vergleichsweise dankbare Aufgaben wie Deutschland oder die Niederlande bekamen, mussten die Lehrer Flaggen wie die des früheren Mongolischen Reiches oder von Kiribati erkennen. Ein Schelm, wer darin eine ausgleichende Gerechtigkeit für jahrelange unangekündigte Tests vermutet.
Ein besonderes Highlight war ein Schrottauto, das der Abijahrgang gekauft und bemalt hatte. Im Spiel mussten es die Lehrer schieben – eine Aufgabe, die bei den schweißtreibenden Temperaturen nicht gerade einfach war. Danach bekommt das Auto noch einen sinnvollen zweiten Einsatz: Es wird der Feuerwehr Traunreut für Übungen gespendet. Stolz zeigte sich Matthias Schmid auch auf den Jahrgang selbst: Alle 53 Abiturienten haben bestanden. Und offenbar nicht nur die Prüfungen, sondern auch den inoffiziellen Reifetest in Sachen Organisation. „Bei diesem Jahrgang bin ich mir sicher, dass der Hausmeister am Nachmittag nichts aufräumen muss“, sagte Schmid. Ein größeres Kompliment kann man einem Abijahrgang nach einem Abistreich wohl kaum machen.
Christiane Vogl